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Sprachkultur Internet

Es könnte das Internet ein Paradies sein, eines in dem Menschen klug und scharfsinnig diskutieren.


Jedoch gehören hier anstelle dessen unfaktive Beleidigungen, Unterstellungen und Diffamierungen zum ganz normalen Umgangston.


Wer im Internet (oft anonym) Kommentare postet, kann seine Manieren vergessen und zum Rüpel werden.


Da praktisch jeder Zugang zum Internet hat, führt es dazu, dass sich die Menschheit in ihrer ganzen, manchmal eben auch unerfreulichen, Vielfalt hier zeigt. Beleidigungen in Online-Foren gehören zum virtuellen Alltag.


Manche Gruppen oder Foren (wie auch die von mir betreuten) werden von ihren Betreibern von Niveaulosigkeiten bereinigt. Darüber hinaus steht es jedem frei, Unflätigkeiten zu ignorieren. Wie überall, wo Menschen miteinander verkehren, ist  Nichtbeachtung eine der wirksamsten Ächtungen.

 

 

Leider ist die Versuchung groß, doch einfach Mal seinen „Frust“ ablassen. Wo ginge das besser als im Internet ? Man hat kein direktes Gegenüber und kann in der Anonymität und Schnelllebigkeit des Internets „Dampf ablassen“. Gottlob selten – aber leider doch manchmal – sehe ich mich mit Menschen konfrontiert, die es einfach nicht auf die Reihe kriegen, sachlich zu argumentieren.


Hier meine persönliche Anleitung für all jene, die es bisher nicht geschafft haben, auch im Internet Manieren zu beweisen oder an all jene, die nicht wissen, wie sie mit ungehobelten "Trollen" umgehen sollen.


Zu allererst: Rassistische und hetzerische Kommentare sollten zur Anzeige gebracht werden. Nur weil etwas im Internet stattfindet, heißt das nicht, dass man es verharmlosen kann. Auf Worte können Taten folgen.


Für jemanden, der (wie ich) die deutsche Sprache liebt, ist es oft nicht leicht, Rechtschreib- und Grammatikfehler zu ignorieren. Es führt aber zu nichts, Fehler aufzuzeigen. Warum ? Das rechtschreibschwache Gegenüber wird sich nicht einen Duden nehmen und sich mit seinen Defiziten beschäftigen. Man wird anstelle dessen als „Besserwisser“ beschimpft und die Diskussion driftet in ein anderes Level ab. Ich verstehe, dass es schwerfällt, mit Leuten zu diskutieren, die z. B. gegen Flüchtlinge hetzen und gleichzeitig nicht der deutschen Sprache mächtig sind.

 

Hier lautet meine Devise: Stark bleiben und ignorieren.

 

Ich könnte viele Lieder davon singen, wie es ist, im Internet beschimpft zu werden. Ob ich nun Organisationen helfe, mich zu meiner politischen Einstellung „oute“  oder Flüchtlinge unterstütze. Leute, mit schlechten Umgangsformen, gibt es überall. Lasst euch nicht auf  Beleidigungen ein ! Wenn man den Fehler begeht und auf Beschimpfungen eingeht, hat man bereits verloren. Warum? Weil man sich auf ihr Niveau begeben hat. Bei mir sind es meist „Tierschützer“, die im Internet herumpöbeln. Ich habe aber auch politisch aktive Freunde, die sich regelmäßig mit niveaulosen unfaktiven Beleidigungen herumschlagen.

Auch wenn man noch so das innere Bedürfnis verspürt, seinem „Gegenüber“ Mal ordentlich den „Marsch zu blasen“ und ihm zu sagen, was er für ein „Idiot“ ist - Lassen Sie es ! Es bringt gar nichts. Man sollte immer mit gutem Beispiel vorangehen. Wenn man selbst nicht höflich ist, kann man nicht erwarten, dass einem der andere mit Respekt entgegentritt.


Egal aus welcher Bildungsschicht man kommt, ob man Migrationshintergrund hat oder nicht, ob man frustriert ist oder einfach ziemlich genervt:


Keiner von uns hat das Recht, andere zu beleidigen.  Auch nicht im Internet.

 

Sofern man sich im Internet bewegt und diskutieren möchte, ist eine der wichtigsten Regeln: Besorgen Sie sich eine dicke Haut. Ich kann mich gut an das Jahr 2002 erinnern, in dem ich einen regelrechten Shit-Storm erleben durfte und weiß, wie sich das angefühlt hat. Ich war und bin eine grundsätzlich sehr selbstbewusste Person, aber manche beleidigende Kommentare haben mich echt fertig gemacht. Damals habe ich gelernt: Man muss drüber stehen. Es bringt nichts, wenn man sich darüber den Kopf zerbricht, was jemand über dich sagt. Das gilt für das echte Leben und für das Internet.


Ich stehe immer hinter meinen Texten. Was nicht bedeuten soll, dass sich meine Meinung nicht auch einmal ändern kann. Auch bin ich menschlich und daher leider nicht völlig fehlerfrei. Ich glaube jedenfalls nicht sofort jede (oft noch so verlockende) Meldung. Ich frage mich auch bei meinen FB-Kommentaren: Bin ich von dem, was ich schreibe tatsächlich überzeugt ? Habe ich das kritisch hinterfragt ? Habe ich mich eigenständig informiert ? Dann sind die ganzen Beleidigungen, die Internet-„Trolle“ von sich geben, völlig egal.

 

Wir haben in den letzten Jahren gelernt, das Internet für die Möglichkeit einer grenzenlosen Kommunikation, zu schätzen.

 

Jetzt sollten wir lernen, Internet vor jenen zu beschützen, die

diese Kommunikation einfach nur vergiften wollen.

 

Linda Ann Pieper

P.S.:  Treffender kann man manche "Diskussionen" nicht beschreiben :) :) :) !!!

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Kommentare: 5
  • #1

    Pieper (Freitag, 27 Januar 2017 10:42)

    Die Sprachkultur im Internet, speziell in Foren und Chats, lässt - in der Tat - zu Wünschen übrig. Es entwickelt sich da und dort zum Medium der Dummen. Beispiel: Rechtspopulistische Parteien hier in Österreich und anderswo. Wir erinnern uns in diesem Zusammenhang an regelrechte "Wahlschlachten" zwischen den Anhängern vom Bundespräsidenten Prof. v.d. Bellen und seinem Herausforderer Hofer. Aber auch in vielen anderen Diskussionen ist immer wieder zu beobachten, dass den vermeintlichen Diskutanten irgend wann nichts mehr einfällt und sich schnell zu untergriffigen und beleidigenden Äußerungen hinreißen lässt, statt die Diskussionsrunde einfach wortlos zu verlassen.

  • #2

    Sebastian (Samstag, 28 Januar 2017 15:14)

    Das passt auch gut dazu, über üble Nachrede.
    http://www.zeitblueten.com/news/die-ueble-nachrede/
    LG Sebastian

  • #3

    Klaudia Bacher (Montag, 30 Januar 2017 06:19)

    Toller Text !

  • #4

    Huertas (Mittwoch, 08 Februar 2017 14:44)

    Unbedingt solle man sich klarmachen, das die meisten Anwürfe kaum jemanden interessieren - zumindest kaum jemanden, auf dessen Urteil man selbst Wert legt. "Bei Themen mit Wissenschaftsbezug sind Trolle meist Teil eines abgeschotteten, losen Netzwerks üblicher Verdächtiger." Nur ziemlich selten haben Troll-Angriffe laut Huertas ernstere Folgen, manchmal werden Journalisten auf sie aufmerksam, erwähnen sie vielleicht in ihrer Berichterstattung. Falls dies tatsächlich geschieht oder man von Dritten auf die Attacken angesprochen wird, sei es Zeit für eine Reaktion. Ein weiterer Anlass für das Erarbeiten einer Gegenstrategie sei es, wenn Angriffe von Trollen koordiniert wirken. Auf jeden Fall solle man die Reaktionsweisen fein abstufen:

    1. Ignorieren - Bei den meisten Trollen gelte auch für Wissenschaftskommunikatoren das eingangs erwähnte Grundmotto, das Füttern zu unterlassen. Bekomme ein Troll keine Aufmerksamkeit, wende er sich in der Regel sehr schnell anderen Themen oder Personen zu.

    2. Blockieren - Mit Blick auf Twitter, Facebook oder den Kommentarbereich eines Online-Blogs sagt Huertas salopp: "Die Block-Buttons gibt's nicht ohne Grund." Mit einem Klick darauf, versperre man Trollen ganz einfach ihren Sendekanal. "Jemanden zu blockieren, ist keine Zensur und auch kein Eingeständnis einer Niederlage - es ist schlicht ein Filter, so wie wir uns ja auch nicht jede Fernsehshow anschauen."

    3. Sich kurzfassen - "Mit einem Troll zu argumentieren, ist wie ein Ringkampf mit einem Schwein", schreibt Huertas. "Beide werden dreckig, und dem Schwein macht es Spaß." Deshalb solle man, hält man tatsächlich eine Reaktion für notwendig, strikt darauf achten, sich in keine Diskussion hineinziehen zu lassen. Sondern nur einmalig antworten und die Replik so knapp wie möglich fassen: "Hallo, das habe ich nicht gemeint, aber danke für den Hinweis" oder "Das kann man sicherlich so sehen, danke" oder "Davon habe ich auch schon gehört, hier ist ein Link dazu ..." Überhaupt sei es ziemlich elegant, einfach mit einem passenden Link zu antworten. "Trolle lesen nicht wirklich Links, denn dies würde aufrichtige Neugier voraussetzen. Deshalb ist dies meist das Ende der Konversation."

    4. Generalantwort bereitstellen - Falls man tatsächlich immer und immer wieder und zu einem spezifischen Thema oder gar öffentlichkeitswirksam angegangen wird, dann sollte man eine grundsätzliche Replik verfassen. Diese sollte man an einem Ort ins Internet stellen, den man selbst kontrolliert (auf einer eigenen Website oder der seines Instituts o.ä.). Damit ist sichergestellt, dass man seine Argumente in selbstgewählter Form, Länge und Reihenfolge und vor allem ohne destruktive Unterbrechung darlegen kann. Dort können auch Hintergründe zum Konflikt geschildert werden. Vor allem spart man sich, immer wieder und auf verschiedenen Plattformen Entgegnungen verfassen zu müssen. Es genügt jeweils das Posten eines Links zur Generalantwort - und dieser Link kann bei Bedarf auch an Journalisten oder andere Personen gesandt werden, die auf den Konflikt aufmerksam werden. Als Beispiel für eine solche Entgegnung verweist Huertas auf die Website des Ökonomen Frank Ackerman zu fortgesetzten Vorwürfen des Fachkollegen Richard Tol.

    5. Schüttle Dich kurz, und tue etwas Sinnvolles - "Trolle sind deprimierend", schreibt Huertas. "Sie ziehen Leute herunter." Daher sei es extrem wichtig, sich nicht von Trollen lähmen und ablenken zu lassen. Huertas empfiehlt, sich eine automatische Reaktion zu überlegen - also etwas, das man macht, wenn man mit einem Troll konfrontiert wird. Statt sich mit diesem auseinanderzusetzen, solle man etwas Konstruktives tun, etwas Sinnvolles, etwas Befriedigendes: einen alten Kollegen anmailen, von dem man schon lange nichts mehr gehört hat oder einen Blog-Beitrag über ein interessantes Forschungsergebnis verfassen oder auch einfach nur einen netten Spaziergang unternehmen. "Bei all diesen Dingen ist unsere Zeit besser angelegt als bei Trollen."

    Seine Ratschläge beendet Huertas mit einem Verweis, dessen Ironie von Nicht-Amerikanern kaum verstanden werden dürfte: Er empfiehlt Forschern und Wissenschaftskommunikatoren ausgerechnet die Sängerin Taylor Swift als Vorbild - eine Künstlerin, die in den USA als Prototyp der seichten Pop-Queen gilt, sogar eine Country-Vergangenheit hat und über die in gelehrten Kreisen eigentlich nur verächtlich geredet wird. Huertas also zitiert Swifts selbstbewussten Hit "Shake it off" (nicht ohne ein großformatiges Bild der fotogenen Sängerin zu posten): "Hasser werden hassen. Du musst es einfach nur abschütteln."

  • #5

    Linda Ann Pieper (Dienstag, 14 Februar 2017 05:43)

    Lieber Huertas,

    vielen Dank für diesen ausgezeichneten (!) Beitrag.

    Liebe Grüße
    Linda Ann Pieper