Wie kommt man dazu eine Tierpension zu eröffnen ?

                               Der allererste Hund - DINO
Der allererste Hund - DINO

Nun bald in Pension, darf ich berichten, wie es kommt, dass man eine Tierpension ins Leben ruft:. Ich hätte vor 30 Jahren nicht im Traum daran gedacht, mal Eigentümerin einer solchen zu sein. Beruflich bedingt, glänzte ich damals, als Sekretärin, meist mit fein lackierten Fingernägeln und modischer Kleidung.

 

Ich war schon als Kind tierlieb, jedoch – bis auf mehrere Streifenhörnchen und einen Hamster - lebten damals nie Tiere in unserem Haushalt. Gerne besuchte ich die umliegenden Bauernhöfe und durfte Pferde führen,  Kühe füttern oder Katzen streicheln.

Als Kind hätte ich soooo gerne einen Hund gehabt

 

 

Gut erinnere ich mich an die Zeit, wie ich als Kind durch eine kleine Öffnung an der Plane des Tierheimzauns spähte und einen wunderschönen großen schwarzen Schäfermischling immer wieder besuchte. Ich hätte mir so sehr einen Hund gewünscht, wagte aber gar nicht danach zu fragen. Heute verstehe ich, dass es nicht möglich war, einen Hund in die Familie zu nehmen. Meine Eltern waren berufstätig und wir beiden Kinder schulpflichtig. Wir lebten in einer Wohnung mit mehreren Parteien, wo zwar Haustiere erlaubt waren – jedoch wenige ein Tierchen hatten. Und doch hätte ich sooooo gerne einen Hund gehabt …. als Kind versteht man das nicht wirklich und sieht man vieles anders.

Endlich erwachsen, musste mein Traum auch hintangestellt werden. Mit meinem Beruf als Sekretärin und einer kleinen Wohnung wäre es unmöglich gewesen, einem Hund gerecht zu werden. Als wir dann 1996 ein Haus bauten, da wünschte ich mir natürlich einen Hund.

DINO war überall mit - Hausbau Neumarkt 1998
DINO war überall mit - Hausbau Neumarkt 1998

Eine herzliche Entscheidung

 

 

Nach langen Diskussionen wurde der Entschluss gefasst, einen Hund zu nehmen. Es sollte ein Welpe sein, da meine Kinder mit 1, 3 und 11 Jahren, noch klein waren. Ich hätte mich nicht getraut, einen erwachsenen Hund mit Vorgeschichte zu nehmen. Es sollte ein/e kleine/r-bis mittelgroße/r Kamerad/in sein …. maximal „cockerspaniel-höhe“. Mangels zu weniger Hundeerfahrung, traute ich mir keinen großen Hund zu, mit dem man einen Abrichtekurs besuchen müsste – ich hatte von Hundeerziehung überhaupt keine Ahnung. Wenn wir einen Hund nahmen, gab es kein Zurück – niemals hätte ich hn weg gegeben.  Deswegen lieber einen kleineren Hund.

Mit 10 Monaten war er schon riesig
Mit 10 Monaten war er schon riesig

Das Inserat „Mischlingswelpen zu vergeben“ lockte uns zu einer Familie in Salzburg. Wir wollten uns die, erst 5 Wochen alten, Welpen "nur mal ansehen". Deswegen nahmen wir unsere Kinder nicht mit, denn bei den Kindern wäre wohl jegliche Vernunft weg. :) Ich muss nicht betonen, dass es nicht beim Ansehen blieb. Als der Wurf mit 10 Welpen auf uns zugestürmt kam, war es auch mit meiner Vernunft vorbei. Meine Güte, waren sie alle niedlich ...


Die Mutterhündin war eine reinrassige Labradorhündin – der Vater unbekannt. Nachdem ich zaghaft meinte, dass ein Labrador im Grunde zu groß wäre, wurde mir gesagt – der Vater wäre bestimmt kleiner gewesen und die Welpen würden wohl nicht so groß.  Weiters hätten wir ja Haus mit Garten und „paar Centimeter mehr“ wären dann doch auch egal. Man diskutierte hier gar nicht weiter, denn ich war bereits mehrfach verliebt. Ich war belagert von lieben, weichen, niedlichen Geschöpfen - ein Welpe war hübscher als der andere. Ich fand ALLE Schnuffi´s toll. Wir entschieden uns dann für einen der Welpen. Wir erwählten ein hübsches Männchen - der erste, der auf Rufen mutig heran raste und sich mit seinen Zähnchen in meinen langen Haaren verfing. Wir reservierten ihn fix mittels Anzahlung. Wenn er 10 Wochen alt ist, könne man ihn abholen.

Unser Familienmitglied zieht ein

 

 

Ich kaufte ein kleines, mit weichem Filz gefüttertes, Halsbändchen, mit einer Adresstube und einem Zettelchen. Auf das Papier schrieb ich "DINO" und unsere Anschrift mit Telefonnummer. Das legte ich in einen Briefumschlag und drückte es meinem ältesten Sohn (wortlos mit einem Zwinkern) in die Hand – die Freude war übergroß. Noch vorher einen einwöchigen Familien-Badeurlaub machen (wenn Welpe da - würde das wohl schwerlich mehr möglich sein) .... und dann konnten wir unseren Welpen holen. Bei der Heimreise aus Italien kauften wir ein Bast-Körbchen und ein weiches Schaffell, weil uns gesagt wurde, dass unser Welpe gerne drauf liegt. So gewappnet fuhr die ganze Familie zur Abholung.

Viele weitere Hotelgäste fühlten sich bei uns wohl
Viele weitere Hotelgäste fühlten sich bei uns wohl

Was soll ich schreiben ? DINO passte nicht in das Körbchen. Er war mit seinen 11 Wochen, bereits jetzt größer als ein Cocker. Das spielte aber keinerlei Rolle – meine Güte – war er niiiiiedlich. Nicht nur die Kinder waren begeistert. Wir nahmen ihn auf der Rückbank auf den Schoß und auf ging es - ins neue Heim. Von meiner Nachbarschaft wurde mir empfohlen zu einem Geschäft zu gehen. Ein Lebensmittelhändler, der aber bei einem Hundeverein wäre und einiges an Zubehör verkauft. Der würde mir schon das "Richtige" geben. Ich solle unseren DINO am besten dorthin mitnehmen.

 

Gesagt getan: Ein paar Tage später waren wir im Geschäft. Lebensmittelhändler verschwand im Lager und kehrte mit einem passenden Korb (nicht Körbchen) zurück. Nachdem die Länge 102 cm hatte, fragte ich ihn, ob er sich nicht vertan hätte. Er nahm DINO´s  Vorderpfötchen in die Hände, drehte sie hin und her und meinte – wortwörtlich – „Da wächst er rein“. Das war der Tag, an dem mir bewusst wurde, dass wir nun einen großwüchsigen Hund haben. Das war auch der Tag, an dem ich merkte, dass es mir völlig egal war, wie groß er werden würde. Wir liebten unseren „kleinen“ DINO.

 

Heute belächle ich das alles – Was  war ich unerfahren ! 

Unser Welpe DINO veränderte unser Leben. Er konnte nicht alleine schlafen, buddelte im Rasen, grub frisch eingesetzte Obstbäume aus und rannte mit ihnen im Maul durch den Garten, knabberte Möbel an, bellte-heulte fürchterlich, wenn er kurz alleine bleiben musste, zerlegte zwei Hühner des Bauern, hatte äußerst scharfe Zähnchen, war auf Schritt und Tritt überall dabei (außer er schlief) und vieles mehr. Es stellte sich immer mehr heraus, dass er wohl der mutige Alphahund seines Rudels gewesen sein dürfte (bei Besichtigung war er der erste, der gerannt kam und sich in Haaren verfing). Wie auch immer: Wir liebten ihn.

Wir zogen 1998 - mit Sack und Pack - nach Neumarkt
Wir zogen 1998 - mit Sack und Pack - nach Neumarkt

 

Als mein Hund nun zehn Monate alt war und bereits 30 Kilo wog, waren Spaziergänge an der Leine schier unmöglich und ich entschloss mich, einen Abrichtekurs zu besuchen. 

Turnierhund DINO - privat mit gefüttertem Halsband
Turnierhund DINO - privat mit gefüttertem Halsband

Der Alpha-Hund wurde mir von Fachleuten des Hundevereins bestätigt und das gefütterte Halsband gegen ein ordentliches getauscht. Ich musste mit meinem "charaktervollen" Hund viel mehr lernen als andere. Ich war ehrgeizig und übte täglich. DINO – der Hund – um den ich bemitleidet wurde. Wenige im Verein meinten, dass er überhaupt durch die Prüfung kommt. Wir schafften es, den 3. Platz bei der Abrichteprüfung zu gewinnen. Das ist der einzige Pokal, den ich mir behalten habe.

 

Die Gemeinschaft im Hundeverein machte mir Freude und gerne ging ich wöchentlich zum Training mit anschließendem Plausch mit meinen Hunde-Freunden. Das hatte zur Folge, dass DINO immer besser wurde und zu Turnieren in der Unterordnung und im Schutz antrat. Für Agility war ich selbst zu unsportlich bzw. mein Hund zu sportlich. Irgendwann hieß es: Wer das nächste Turnier in der Unterordnung gewinnt – der/die leite den nächsten Begleithund-Kurs. Ich gewann und so nahm alles weitere seinen Lauf.


Das Hundehotel entsteht

  

Eine meiner Schülerinnen bat mich doch tagsüber auf ihren Hund aufzupassen, weil der nicht alleine bleiben kann – und so hatte ich tagsüber zwei Hunde. Dann wollten wir selbst gerne auf Urlaub fahren. Obwohl einige Verwandte hier lebten, konnte doch keiner auf unseren DINO aufpassen. Der eine lebte in einer Wohnung, in welcher Haustiere nicht erlaubt waren – bei der anderen fürchtete sich der Ehepartner vor Hunden und meinte: „Wenn der große Hund einzieht – ziehe ich aus !“ – wieder einer hatte Haus mit Garten, jedoch nicht eingezäunt – ältere Leute wollte ich nicht bitten, da DINO sehr kräftig war und nur mit jemandem ordentlich an der Leine ging, der vom Abrichten Ahnung hatte.

 

Wir schalteten eine Kleinanzeige und suchten auf Gegenseitigkeit jemanden, der unseren Hund sowie Tageshund betreut. Es meldeten sich zahllose Hundefreunde – und so kam es, dass sich unser Einfamilienhaus nach und nach mit immer mehr Hunden füllte. Wir verreisten überhaupt nicht mehr gemeinsam und letztendlich bauten wir 1998 nochmal neu - die erste Hundepension in Salzburg.

 

Linda Ann Pieper