Aktive, passive und gar keine Hilfe

Aktive Tierfreunde (Praktiker) sind Personen, die meine Hochachtung haben. Damit meine ich Mitarbeiter von Tierheimen oder Zoos, die langfristig eine größere Anzahl von Tieren beherbergen. Auch wenn deren Denken sich nicht immer völlig mit meinem deckt, so dienen diese Organisationen Tieren. Sie arbeiten oft auch körperlich und stellen dabei das Wohl des Tieres in den Vordergrund. "Schwarze Schafe" gibt es hier leider auch. Passive Tierfreunde helfen oft mit Sachspenden oder finanzieller Unterstützung. Dass nicht jeder fähig ist, über einen längeren Zeitraum die Verantwortung für viele Tiere zu tragen, ist mir verständlich.

OH, diese Pseudo-Tierschützer

 

Leider findet man häufig einzelne, aber auch Gruppen von Personen, die vielleicht gerne aktive Tierfreunde wären, es sicher auch gut meinen und Tiere (oft ausländische) "retten". In weiterer Folge kommen sie, aufgrund fehlendem Fachwissen und fehlender baulicher Einrichtungen, langfristig nicht klar. Den "Ruhm" und oft auch die "Spenden" ernten sie - und wehren sich nicht dagegen. Achten Sie darauf: Viele dieser "Pseudo-Tierschützer" sind kinderlose Frauen, welche persönliche Eitelkeiten in den Vordergrund stellen. Im Berufsleben konnten sie meist wenig leisten und wirken manchmal optisch wenig ansprechend. Ausnahmen bestätigen die Regel.

 

Berüchtigte "Stutenbissigkeit" findet hier Einzug. Unter diesen "Pseudo-Tierschützern" kann es zur Gruppenbildung kommen - dann wird eben gesammelt in die Richtung einer anderen Gruppe gebissen. Diese Gruppen bekommen damit eine Eigendynamik, die zum Selbstzweck werden, in Ihren Argumentationen faktenlos einander bekriegen und durch Profilierungssüchte als Antriebskraft das Tier in den Hintergrund treten lassen. Letztendlich landen viele deren Hunde in Tierheimen und man stellt sich die Frage, ob es dem Tier im Ursprungsland nicht besser ginge. Geht es bei dem Getue denn überhaupt noch um das Wohl von Tieren?

 

Tierschutz an der Tastatur

 

"Pseudo-Tierschützer" gehörten bei mir in die Kategorie "gar keine Hilfe" und ist für jede Tierschutzorganisation das Schrecklichste. Diese selbsternannten Moralisten kosten sehr viel Zeit. Sie helfen nicht, sondern richten viel Schaden bei seriösen aktiven Praktikern an. Diese Gruppe zerstört oft monatelange, harte Arbeit und die Vermittlung vieler Tiere wird behindert. Ohne Wissen der Materie greifen sie andere Organisationen haltlos an.

 

Meine Fragen an die "Pseudo-Tierschützer": Welche Befähigung haben Sie und was berechtigt Sie dazu, die Praktiker zu kritisieren? Haben Sie genauso viel oder mehr im Bereich Tierschutz geleistet (nicht nur an der Schreibmaschine)? Haben Sie Schwielen an den Händen? Wird Ihnen beim Kotaufsammeln schlecht? Können Sie mit einer Schermaschine umgehen? Trauen Sie sich in ein 10er-Rudel und sind Sie im Stande, dieses binnen 30 Minuten - so dass man vom "Boden essen" kann - zu säubern? Sind Sie bereit, einen Teil Ihres Hab & Guts und ihre Freizeit  zugunsten der Tiere aufzugeben? Wenn Sie mehrere dieser Fragen mit "NEIN" beantworten ... dann schweigen Sie ... BITTE!!!

 

Anonym schreibt es sich leicht

 

Obwohl über unser Haus Nachstehendes noch nicht gesagt wurde, wunderte ich mich, dass sich trotzdem immer mehr "Pseudo-Tierschützer" erdreisteten, über andere Einrichtungen, die sie nie gesehen hatten, globale unsinnige Aussagen wie "... den Tieren ginge es dort so schlecht" oder "... eines wirke am Foto unglücklich" oder "... man hätte gehört, dass ...". Es ist ein großer Unterschied, ob man im Monat nur einem Tier hilft oder monatlich DREISSIG. Wie sollte es auf Dauer funktionieren, alle Hunde oder Katzen im nicht desinfizierbaren Wohnzimmer zu halten? Außerdem wäre diese Haltung gegen alle Auflagen des Tierschutzgesetzes und damit gegen die der "Tierschützer". Hinter den Tastaturen fühlten sich diese speziellen Menschen anonym besonders stark und lebten im Netz etwaige Aggressionen aus. Ich hoffte inständig, dass Portale wie Facebook, Twitter, Xing & Co vermehrt etwas dagegen unternehmen würden. Auch sollten generell alle Menschen, auch die angegriffenen Praktiker, den Gang zum Rechtsanwalt nicht scheuen, denn Unterlassungsklagen und Schadenersatzansprüche wären für die Streithühner ein gutes Lehrgeld..

 

Realitätsfremdes Wunschdenken

 

Die rosa-roten Brillen, die manche "Pseudo-Tierschützer" aufgesetzt haben, sind schon bemerkenswert. Man versucht mittels "Petitionen" durch das Tippen am PC hochgradig gefährliche Hunde zu retten. Mir fällt hier der Titel einer Schlagzeile in der Zeitung ein:  "Warum musste CHICO sterben?" Ein American Staffordshire Terrier (10 J.) hatte seine Besitzerin (52 J.) und deren Sohn (27 J.) tot gebissen. Die Wogen gingen hoch!  "Er muss doch gerettet werden! Schuld ist doch hier der Mensch gewesen! Trainer würden gebraucht! Tierschutzorganisationen sollten den doch nehmen! Man darf doch keinen Hund töten."  .... Was erträumten sich denn diese Kommentatoren?

  • Glaubte man, dass es bei "Killerhunden mit Auflagen" zu schönen Weitervermittlungen kommt?
  • Glaubte man, dass diese Hunde jemals wieder Wiese unter den Pfoten spüren werden? 
  • Glaubte man, dass bei 150 anderen "Insassen" der gleichen Rasse dieser eine Hund was Besonderes ist?
  • Glaubte man, dass ausgerechnet ein beherzter Tierpfleger sich diesem einen Hund privat annehmen darf?
  • Will der Tierfreund selber diesen mörderischen Hund übernehmen? 

 Ist die Realität nicht eine ganz andere ? 

 

=  Schild auf dem Zwinger-Gitter "GEFÄHRLICH" wird angebracht

=  wird mit Schiebe-Riegel ohne jeglichen menschlichen Kontakt betreut

=  wird möglicher Weise jahrelang so gehalten

=  Futter/Wassergabe erfolgt durch eine Schiebevorrichtung

=  Gehege wird 1 x täglich ausgespritzt

=  Hund wird immer gefährlicher

=  Es darf - zu Recht (!) - kein Betreuer in den kleinen Beton-Zwinger

 

Im Fall von CHICO fanden die Ämter dann öffentlichkeitswirksam die Möglichkeit, ihn wegen gesundheitlichen Problemen einzuschläfern. Trotzdem fanden sich dann noch wochenlang Pseudo-Tierschützer, die über Operationen und möglicher Verbesserung des Gesundheitszustandes diskutierten. Die Meinungen der Tierärzte wurden entweder ignoriert oder angezweifelt. 

 

Die Bezahlung einer, in diesem Fall, teuren arbeitsintensiven traurigen gefährlichen Tierheimhaltung interessierte wenige. Irgendwer wird schon zahlen. Ein paar Wochen sind in Österreich normalerweise durch den Staat abgedeckt - die weiteren vielen Monate nicht mehr. Das Tier geht in das Eigentum des Vereins über. Was Positives: Sobald aktiv um Geld-Spenden gebeten wurde, waren grundsätzlich fast alle tippenden "Pseudo-Tierschützer" superschnell  verschwunden. Selbst nehmen wollten sie das arme Tier auch nicht - auch hier endete Korrespondenz schnell.

 

Meine (Schwerst-) Arbeit mit Tierschützern

 

Wir hatten einige Jahre unser Haus für Tierfreunde geöffnet. Ich wollte gerne jedem "Noch-Pseudo-Schützer" die Möglichkeit geben, Einsicht in die Arbeit eines Praktikers zu bekommen. Es sollte ihnen die Möglichkeit gegeben werden, aktiv mal mit zu arbeiten und Erfahrungen zu sammeln. Ich wollte die Welt ein kleines Stück besser machen. Vielleicht würden "Pseudo-Tierschützer" dann anders handeln, denken bzw. schreiben?   

 

Viele schwer zu beschreibende Erlebnisse folgten. Personen, die weinten, wenn sie zusehen mussten, wie das "arme Tier" entfilzt wird oder eine widerspenstige Dogge zwecks Fahrt zum Tierarzt in ein Auto bewegt werden musste. Gab man diesen Egozentrikern selbst das Tier zum Entfilzen in die Hand oder stellte sie vor die Aufgabe ein Tier zu einer Autofahrt zu bewegen, konnten sie dies nicht. Einer extrem friedlichen langhaarigen Hündin, der meine Betreuer bzw. ich schon oft eine Fellpflege angedeihen ließen, wurde in den Händen zweier Unbedarfter, angeblich zu einem Beißer, wobei das Kämmen eher wie ein Streicheln aussah. Eine Schermaschine oder ein Kübel zum Aufklauben des Kots war ihnen fremd. Ich gab "Pseudo-Tierschützern" Arbeiten, bei denen ihnen so schlecht dabei wurde, auf dass sie binnen Minuten das Weite suchten. Und das, obwohl die gröbste, schmutzigste Arbeit schon vorher von mir getan war. Die spannendsten Interessenten waren die, die sich vor Hunden fürchteten. Sie trauten sich noch nicht mal in ein braves Rudel, welches mit nur drei sehr gutmütigen Hunden belegt war. Es gäbe hier unzählige weitere Beispiele.

 

Tierschützer muss man sich leisten wollen

 

Obwohl ich den Ablauf und die Maschinen vorher erklärte, ging vieles durch falsche Handhabung kaputt. Wie konnte man auf die Idee kommen, mit einem scharfen harten Kratzer Plexi-Scheiben zu schrubben (diese waren danach nicht mehr durchsichtig)? Wie konnte es einem einfallen, Decken vom Außengehege nicht vorher auszuschütteln, sondern eine Menge Schotter mit Waschmaschine zu waschen (wir mussten eine neue kaufen)? Wenn die große Saugmaschine schon laut wegen Überfüllung piepst, diese nicht auszuleeren, sondern weiter und weiter zu saugen (Wasser kam in den Motor und Maschine musste zur Reparatur)? Die anderen Kleinigkeiten erwähne ich hier gar nicht. Man konnte unsere "Pseudo-Tierschützer" unmöglich alleine arbeiten lassen. Ich schreibe hier über wirklich hohe Kosten, welche immer von uns getragen werden mussten. Gegen solchen Quatsch gibt es keine Versicherung. Es wäre fair gewesen, die Verursacher hätten sich wenigstens an den Kosten beteiligt, da die Schuld bei denen lag. Das passierte kein einziges Mal.

 

Fazit war, nach den Erlebnissen mit über einem Dutzend Pseudo-Tierschützern: Je länger ich mit diesen arbeitete, umso mehr wurde das Wort "Tierschützer" für mich  zum regelrechten Schimpfwort. Ich bezeichnete mich selbst längst nicht mehr so und wer mir freundlich sagte, ich sei doch ein "toller aktiver Tierschützer", dem entgegnete ich: "Nein. Ich bin KEIN Tierschützer, sondern Praktiker".

 

Es kosteten mich diese ganzen wohlgemeinten Aktionen immense viel Zeit und Geld und ich musste offen zugeben, dass mir irgendwann  die Nerven fehlten, um hier noch weitere Erziehungsarbeit am Menschen zu leisten. Vielleicht fehlte mir hierzu auch die richtige Ausbildung oder Einstellung.

 

Linda Ann Pieper